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Kroatien: Wirtschaft

06.02.2019 - Artikel

Die Stärkung der Wirtschaft und die Verbesserung des Investitionsklimas für in- und ausländische Investoren durch Strukturreformen sind seit mehreren Jahren erklärtes Ziel der kroatischen Politik. In mehreren Wirtschaftsbereichen wurden Reformschritte eingeleitet, darunter eine Steuerreform, die Restrukturierung und Privatisierung staatlicher Unternehmen, Arbeitsmarktreformen und Maßnahmen zum Abbau von Zahlungsrückständen im gesamten Wirtschaftskreislauf. Weitere Reformschritte sind angekündigt: Entlastung von Unternehmen, Verschlankung der öffentlichen Verwaltung, des öffentlichen Beschaffungswesens sowie eine Rentenreform.

Seit dem EU-Beitritt am 1. Juli 2013 erlebt Kroatien einen moderaten Aufschwung, wenngleich die Wachstumszahlen der Phase vor der sechs Jahre dauernden Rezession noch nicht wieder erreicht werden. 2017 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Kroatiens mit einem Plus von 2,9 Prozent zum dritten Mal in Folge gestiegen, der Trend hat sich auch im Jahr 2018 mit einem Plus von 2,5 Prozent im ersten und von 2,9 Prozent im zweiten Quartal fortgesetzt Das Außenhandelsvolumen verzeichnete 2017 einen Anstieg von 12,1 und in ersten sechs Monaten 2018 von 5,1 Prozent. Die Industrieproduktion nahm 2017 um 1,9 und in den ersten sieben Monaten 2018 um 0,2 Prozent zu. Treibende Kraft sind der private Konsum und der Außenhandel, Rückgrat der kroatischen Wirtschaft ist mit nach verschiedenen Schätzungen rund 20 Prozent Anteil am BIP der Tourismus.

Die Arbeitslosenquote betrug 2017 nach ILO-Standard 11,2 Prozent und im ersten Quartal 2018 10,3 Prozent. Die Erwerbstätigenquote ist eine der niedrigsten in der EU. Die Abwanderung junger Menschen und qualifizierter Arbeitskräfte hat  nach dem EU-Beitritt stark zugenommen. Belastend trotz leicht abnehmender Tendenz bleibt die sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit von ca. 27,5 Prozent (2017). Kroatische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genießen seit dem 1. Juli 2015 Arbeitnehmerfreizügigkeit. Das Augenmerk der kroatischen Finanzpolitik gilt der Senkung des Haushaltsdefizits und der Erfüllung bzw. Einhaltung der Maastricht-Kriterien (2016: -0,9 Prozent, 2017: +0,8 Prozent, Plan 2018: -0,5 Prozent). Die öffentliche Verschuldung nimmt seit 2015 leicht ab auf 76,2 Prozent des BIP im Mai 2018. Kontinuierlich rückläufig ist seit 2015 auch die Außenverschuldung: ca. 80,9 Prozent des BIP im ersten Quartal 2018. Die Währung Kroatiens ist die Kuna. Die Notenbank hält an einer engen Anbindung am Euro fest, sie gilt daher sowohl binnenwirtschaftlich als auch im Verhältnis zum Euro als wertstabil. Die kroatische Regierung strebt den Beitritt zur Eurozone an.

Wirtschaftssektoren

Kroatien erwirtschaftete 2017 ein BIP von ca. 49 Mrd. Euro (+2,9 Prozent). Bestimmender Wirtschaftssektor sind die Dienstleistungen mit einem Anteil von 70 Prozent an der Wertschöpfung. Fast 20 Prozent des BIP generiert der Fremdenverkehr. 2017 besuchten 17,4 Mio. Touristen Kroatien, 12,7 Prozent mehr als im Vorjahr, davon 2,6 Mio. Reisende aus Deutschland (Anstieg von 15,2 Prozent).

In der verarbeitenden Industrie dominiert der Nahrungsmittelsektor, gefolgt von der Verlags- und Druckindustrie, der Produktion nichtmetallischer Mineralprodukte, der chemischen Industrie, der Herstellung von Metallprodukten, Transportmitteln, elektrischen Maschinen und Geräten sowie die Holzverarbeitung. Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei tragen ca. 5 Prozent zum BIP bei.

Außenhandel

Das Außenhandelsvolumen Kroatiens betrug im Jahr 2017 35,9 Mrd. Euro. Die Exporte stiegen um 13,8 Prozent, die Importe um 11,1 Prozent. Der Trend hat sich in 2018 fortgesetzt, aber verlangsamt. In ersten sechs Monaten 2018 stiegen die Exporte um 2,9 Prozent und die Importe um 6,4 Prozent. Der Exportanteil gemessen am BIP betrug in 2017 28,8 Prozent. Ca. 75 Prozent des Außenhandels werden mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abgewickelt. 2017 und in den ersten sechs Monaten 2018 waren Deutschland, Italien, Slowenien, Österreich, Ungarn und Bosnien und Herzegowina die wichtigsten Handelspartner. Der aktive bilaterale Handelsaustausch schlägt sich auch im Mitgliederzuwachs der inzwischen über 400 Unternehmen starken Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer nieder.

Deutschland ist mit einem bilateralen Außenhandelsumsatz von 5,1 Mrd. Euro (2017) vor Italien, Slowenien und Österreich wichtigster Handelspartner Kroatiens. Die Exporte nach Deutschland erreichten 2017 ein Gesamtvolumen von 1,7 Mrd. Euro, die Importe aus Deutschland 3,4 Mrd. Euro. Die kroatische Leistungsbilanz wies für 2016 einen Saldo von 2,6 Prozent und für 2017 von 3,9 Prozent des BIP auf. Die Devisenreserven der Kroatischen Nationalbank beliefen sich Ende April 2018 auf 15,9 Mrd. Euro. Diese reichen aus, um Importe für die Dauer von etwa neun Monaten abzudecken.

Ausländische Investitionen

Im Zeitraum von 1993 bis zum ersten Quartal 2018 beliefen sich die Auslandsinvestitionen auf etwa 33 Mrd. Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 3,14 Mrd. Euro. Damit liegt Deutschland nach den Niederlanden, Österreich und Italien an vierter Stelle der ausländischen Investoren. Kernbereiche für die Investoren sind Finanzwirtschaft/Banken, Telekommunikation, Immobilienwirtschaft, Petrochemie, Erdöl- und Gasförderung, Hotel- und Gastgewerbe sowie pharmazeutische Industrie. Die Regierung plant zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsklimas.

Der Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union ermöglicht den Einsatz von Mitteln aus EU-Fonds für Infrastrukturinvestitionen und Investitionen in die Landwirtschaft. Kroatien ist bestrebt, die Absorptionsfähigkeit der Fördermittel zu verbessern.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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