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Wirtschaftspolitik

23.04.2018 - Artikel

Stand: April 2018

Die Stärkung der Wirtschaft und Verbesserung des Investitionsklimas durch Strukturreformen sind seit Jahren Hauptthemen der kroatischen Politik. Seit EU-Beitritt am 1. Juli 2013 erlebt Kroatien einen moderaten Aufschwung. Nach 6 Jahren der Rezession ist das Wirtschaftswachstum seit 2015 positiv. In mehreren Wirtschaftsbereichen wurden bereits in den letzten Jahren Reformschritte eingeleitet, die die EU-Kommission Kroatien in Form länderspezifischer Empfehlungen im Rahmen des Abstimmungsprozesses des Europäischen Semesters auf den Weg gegeben hat, darunter Reformen und Privatisierung staatlicher Unternehmen, Arbeitsmarktreformen und Maßnahmen zum Abbau der Zahlungsrückstände im gesamten Wirtschaftskreislauf.

Reformbereiche der aktuellen Regierung sind nach einer Steuerreform, die administrative Entlastung von Unternehmen, die öffentliche Verwaltung, das öffentlichen Beschaffungswesen und die Abfallwirtschaft.

2017 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Kroatiens mit einem Plus von 2,8 Prozent zum dritten Mal nach sechs Jahren der Rezession gestiegen. Das Außenhandelsvolumen verzeichnete 2017 einen Anstieg von 11,7 Prozent, die Industrieproduktion nahm um 1,4 Prozent zu. Treibende Kraft ist der private Konsum und der Außenhandel, Rückgrat der Tourismus.

Die Arbeitslosenquote lag 2017 bei einer der niedrigsten Beschäftigungsraten der EU nach ILO-Standard bei ca. 11 Prozent, doch hat die Abwanderung nach dem EU-Beitritt stark zugenommen.  Belastend bleibt die sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit von ca. 31 Prozent (2016) bei leicht abnehmender Tendenz. Kroatische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können seit dem 1. Juli 2015 in Deutschland ohne Einschränkung tätig werden (Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit).

Das Augenmerk der kroatischen Finanzpolitik gilt der Senkung des Haushaltsdefizits und Einhaltung der Maastricht-Kriterien (2016: -0,9 Prozent, Schätzung 2017: -0,8 Prozent). Die öffentliche Verschuldung nimmt seit  2015 leicht ab auf 81 Prozent des BIP im 3. Quartal 2017. Das exzessive Defizitverfahren wurde im Frühjahr 2017 abgeschlossen und die EU-Monitoring (MIP-Macroeconomic Imbalance Procedure) fortgeführt.

Die Währung Kroatiens ist die Kuna. Die Notenbank hält an einer engen Anbindung am Euro fest. Die Kuna gilt sowohl binnenwirtschaftlich als auch im Verhältnis zum Euro als wertstabil. Die kroatische Regierung hat sich im Herbst 2017 für den Beitritt zur Eurozone ausgesprochen.

Wirtschaftssektoren

Kroatien erwirtschaftete 2017 ein BIP von ca. 48,7 Mrd. Euro (+2,8 Prozent). Bestimmender Wirtschaftssektor sind die Dienstleistungen mit einem Anteil von 70 Prozent an der Wertschöpfung. Fast 20 Prozent des BIP generiert der Fremdenverkehr. 2017 besuchten 17,4 Mio. Touristen Kroatien, 12,7 Prozent mehr als im Vorjahr, davon 2,6 Mio. deutsche Touristen (Anstieg von 15,2 Prozent).

In der verarbeitenden Industrie dominiert die Nahrungsmittelindustrie, gefolgt von der Verlags- und Druckindustrie, der Produktion nichtmetallischer Mineralprodukte, der chemischen Industrie, der Herstellung von Metallprodukten, Transportmitteln, elektrischen Maschinen und Geräten, sowie Holzverarbeitung. Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei tragen ca. 5 Prozent zum BIP bei.

Außenhandel

Der Exportanteil gemessen am BIP beträgt nur 28,7 Prozent. Über 73 Prozent des Außenhandels werden mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abgewickelt. 2017 waren Deutschland, Italien, Slowenien, Österreich, Ungarn und Bosnien und Herzegowina die wichtigsten Handelspartner. Der aktive  bilaterale Handelsaustausch schlägt sich auch im  Mitgliederzuwachs der inzwischen ca. 400 Unternehmen starken Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer nieder.

Seit dem EU-Beitritt Kroatiens entwickelt sich der bilaterale Handel mit Deutschland weiter positiv. Deutschland ist mit einem bilateralen Außenhandelsumsatz von 5,2 Mrd. Euro (2017) vor Italien, Slowenien und Österreich wichtigster Handelspartner und größter einzelner Quellmarkt des Tourismus. Exporte nach Deutschland 2017: 1,7 Mrd. Euro, Importe aus Deutschland 3,4 Mrd. Euro, Ausgleich schaffen deutsche Touristen (in 2017 auf dem Höchststand von 2,6 Mio.).

Die kroatische Leistungsbilanz wies für 2016 einen Saldo von 2,5 Prozent des BIP auf. Die Devisenreserven der Kroatischen Nationalbank beliefen sich Ende 2017 auf 15,7 Mrd. Euro und werden die Importe von etwa neun Monaten abdecken.

Ausländische Investitionen

Im Zeitraum von 1993 bis zum dritten Quartal 2017 beliefen sich die Auslandsinvestitionen auf etwa 30 Mrd. Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 3 Mrd. Euro, nach den Niederlanden, Österreich und Italien an vierter Stelle ausländischer Investoren. Kernbereiche sind Finanzwirtschaft/Banken, Telekommunikation, Immobilienwirtschaft, Petrochemie, Erdöl- und Gasförderung, Hotel- und Gastgewerbe sowie pharmazeutische Industrie. Die Regierung plant zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsklimas.

Der Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union ermöglicht den Einsatz von Mitteln aus EU-Fonds für Infrastrukturinvestitionen und Investitionen in die Landwirtschaft. Kroatien ist bestrebt, die Absorptionsfähigkeit der Fördermittel zu verbessern.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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