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Grußwort des Ständigen Vertreters, Harald Seibel, anlässlich des 1. Nationaltreffens der Vertreter und Vereinigungen der deutschen Minderheit in Kroatien am 23.09.2018 in Sirač

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. Nationaltreffens der deutschen Minderheit in Kroatien am 23.09.2018 in Sirač

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. Nationaltreffens der deutschen Minderheit in Kroatien am 23.09.2018 in Sirač, © Deutsche Botschaft Zagreb

24.09.2018 - Artikel

- Es gilt das gesprochene Wort -

(Anreden)

Mit großer Freude bin ich der Einladung gefolgt, heute am Ersten Nationaltreffen der Vertreter und Vereinigungen der Deutschen Minderheit in Kroatien teilzunehmen und zu Ihnen zu sprechen.

Für mich ist heute ein besonderer Tag, weil dies meine erste Reise in den Osten Kroatiens ist. Ich bin vor zweieinhalb Monaten in Zagreb angekommen mit dem Ziel, möglichst oft mein Büro in der Botschaft zu verlassen, um das Land - vor allem die Regionen außerhalb Zagrebs – und die hier lebenden Menschen kennen- und verstehen zu lernen.

Es ist ein besonderer Tag für mich, weil ich heute die Gelegenheit habe, einen wichtigen Teil der Geschichte des Landes zu erfahren, gleichzeitig aber die Gegenwart zu erleben und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Aber auch für Sie – die deutsche Minderheit in Kroatien – ist heute ein besonderer Tag. Sie kommen heute zum ersten Mal zu einem nationalen Treffen zusammen, um sich auszutauschen, bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen. Das heutige Treffen leistet so einen wichtigen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander der Menschen in diesem Land, in der Region und letztlich auch in Europa. Den Initiatoren des heutigen Treffens gebührt daher ein besonderer Dank. Ich wünsche der Veranstaltung viel Erfolg und hoffe, dass es auch in Zukunft weitere nationale Treffen gibt.

Meine Damen und Herren,

die deutsche Minderheit ist heute fester Bestandteil der kroatischen Gesellschaft. Sie hat im demokratischen, pluralistischen Kroatien ihren festen Platz. Ihre Minderheitenrechte sind garantiert, Möglichkeiten der Pflege und der Entfaltung von Sprache und Kultur werden staatlich gefördert, auch wenn es im Alltag immer wieder Herausforderungen gibt. In einer Nachbarschaft, in der gelebte demokratische Teilhabe und aufrichtige Toleranz noch immer nicht selbstverständlich sind, kommt dem Schutz und der Teilhabe ethnischer Minderheiten eine besondere Bedeutung zu.

Wir wissen: Die deutsche Minderheit in Kroatien ist fester Bestandteil der traditionell engen und freundschaftlichen deutsch-kroatischen Beziehungen. Sie, die Angehörigen der deutschen Minderheit, bilden eine wichtige Brücke zwischen unseren Ländern, zwischen der deutschen und der kroatischen Gesellschaft, zwischen den hier wie dort lebenden Menschen. Sie alle leisten einen Beitrag zu nichts Geringerem als Völkerverständigung! Und dies erscheint mir heute – 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs – wichtiger denn je.

Gleichzeitig spüren wir: Kroatien und „seine“ Minderheiten sind fester Teil der europäischen Familie! Natürlich sind die Angehörigen der deutschen Minderheit kroatische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, wenngleich mit einer eigenen - deutschen - Geschichte und einer eigenen Identität. Aber: Sie sind darüber hinaus Bürgerinnen und Bürger Europas. Sie bilden auch in Bezug auf Europa eine wichtige Brücke.

Mit ihrer Lebenserfahrung, ihrer persönlichen Geschichte, ihrer kulturellen Identität können Sie dazu beitragen, eine Brücke zwischen Staaten und Gesellschaften, zwischen Tradition und Moderne zu schlagen. Wo ist dies heute wichtiger denn je als in Europa und der EU?

Meine Damen und Herren,

die Vereine der Deutschen Minderheit  in Kroatien und die Deutsche Botschaft arbeiten seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll zusammen. Die Botschaft ist wo immer möglich auf Veranstaltungen präsent und wir fördern Projekte der Vereine. Hinzu kommt die direkte finanzielle Unterstützung der deutschen Bundesregierung, die auch die heutige Veranstaltung erst möglich gemacht hat. Sie haben bereits das Grußwort des Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Herrn Dr. Bernd Fabritius, gehört.

Dies alles zeigt die Bedeutung, die diesem ersten großen gemeinsamen Treffen der einzelnen Vereine der Deutschen Minderheit in Kroatien von deutscher Seite beigemessen wird. Die Betonung liegt hierbei auf dem Wort „gemeinsam“. Durch künstliche Abgrenzung und Verfolgung ausschließlich eigener Interessen ohne Blick über den Tellerrand hinaus  entsteht nichts Neues. Nur wer sich als Gemeinschaft fühlt und gemeinsam agiert, kann das Bestmögliche erreichen und Zukunft gestalten. Das gilt für die große Politik in Europa und auf internationaler Ebene ganz genauso wie für Sie als Vertreter der deutschen Minderheit hier in Kroatien – eine Minderheit mit einer langen und wechselvollen Geschichte und hoffentlich einer dynamischen Zukunft.

Die Anwesenheit der zahlreichen Amts- und Würdenträger bei der heutigen Veranstaltung ist Beleg für die enge Verbundenheit Kroatiens mit der deutschen Minderheit. Ihre Anwesenheit stimmt mich optimistisch, dass die deutsche Minderheit in diesem Land auch künftig eine wichtige Rolle spielen wird.

Mein besonderer Dank gilt der starken Präsenz und dem Engagement des Kroatischen Sabor. Herr Abgeordneter Kajtazi, Herr Richembergh, vielen Dank für Ihr Engagement für die deutsche Minderheit und besonders für die Unterstützung dieses Treffens hier.

Meine Damen und Herren,

ich bin auch hier, um zuzuhören, um zu lernen. Ich freue mich daher auf den gemeinsamen Tag mit Ihnen allen, auf einen regen Austausch und interessante Gespräche. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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